Route

Reiseverlauf

Tag 1-6: Puerto Williams / Ushuaia – Drake Passage

Puerto Williams (Chile) oder Ushuaia (Argentinien) ist der geplante Ausgangshafen dieser Antarktis-Segel-Expedition.

Nach dem Ausklarieren von Boot und Crew und sobald sich ein passendes Wetter-Fenster öffnet, beginnt die Reise im Beagle Kanal, begleitet von Seelöwen und Kormoranen. Je nach den Bedingungen nutzen wir die Gelegenheit, einen Tag den Archipel von Feuerland und das Kap Hoorn zu besuchen.

Vor der anspruchsvollen Querung der berühmt-berüchtigten Drake Passage erfolgt die Einteilung der Wachen.

In der Drake Passage wird die Antarktische Konvergenzzone überquert. In dieser Zone sinkt die Wassertemperatur von 5° auf 1° Celsius. Wir segeln durch ein nebeliges Gebiet mit grünem, artenreichem Polarwasser, verstärken den Ausguck und treffen auf die ersten Eisberge – Vorboten der Antarktis.

Tag 7 – 8: Deception Island

Deception Island gehört zu den Südlichen Shetland Inseln.
Die Ankunft auf dieser noch immer aktiven Vulkaninsel ist spektakulär:

Zu Beginn erfolgt die eindrucksvolle Einfahrt durch einen sehr schmalen Kanal (Neptuns Blasebalg genannt) in den Krater der Insel.
Im Inneren befindet sich einer der bestgeschützten Naturhäfen der Welt.


In der Pendulum Cove, der Walfang Bucht, kann man die Einzigartigkeit der Insel bei einem Spaziergang auf sich wirken lassen, die alten Überreste der Walfänger entdecken, Pelzrobben am Strand beobachten oder bei gutem Wetter ein Bad in einer der warmen geothermalen Quellen am Strand genießen.
Außerdem ist ein Besuch der größten Kolonie von Kehlstreifen Pinguinen der antarktischen Halbinsel in Baileys Head möglich.

Tag 9 – 18: Antarktische Halbinsel – Graham Land

Circa zehn Tage werden wir an der Westküste der Antarktischen Halbinsel verbringen und viele eindrucksvolle Landschaften und Orte entlang der Inseln und des Festlandes besuchen und erkunden, in zahlreichen Buchten vor Anker gehen, immer wieder mit dem Schlauchboot anlanden, unseren Fuß auf den antarktischen Kontinent setzen und zu Fuß, mit Schneeschuhen oder per Kajak die unvergleichliche Landschaft und Tierwelt entdecken und genießen.


Wir streifen die Melchior Islands, durchsegeln die Bransfield Strait und besichtigen die Cierva Cove mit ihren eindrucksvollen Eisbergen an der Südseite des Kap Herschel. Wir haben die einmalige Gelegenheit, Buckelwale zu beobachten und singen zu hören. Die Tiere kommen regelmäßig in die Gerlache Strait, um dort zu fressen und zu spielen. Häufig verweilen sie neugierig längere Zeit am Schiff.

An den Kiesstränden und sandigen Abhängen der Region rund um Enterprise Island kann man eine große Tier- und Pflanzenwelt beobachten wie See-Elefanten, nistende Pinguine, Königskormorane, Riesensturmvögel und Wale.

Cuverville Island ist geprägt von steilen Felswänden und Gletschern und bietet einer großen Vogelvielfalt einen Nistort. Von der Insel aus hat man einen einmaligen Ausblick auf den Errera Kanal und die Gerlache Strait.

Wir segeln nach Neko Harbour und in die Paradise Bay, die ihrem Namen alle Ehre macht. Dort kann man Seeleoparden, Pinguine und Wale beobachten. Auch hier kommen die neugierigen Wale häufig nah ans Schiff heran. Wir unternehmen einen Ausflug mit dem Schlauchboot in die wunderbare Landschaft der Bucht und besuchen eventuell die chilenische Station Videla.

Ein möglicher Besuch der ukrainischen Akademik Vernadsky Research Station ist voraussichtlich der südlichste Punkt der Expedition.

Im engen Lemaire Channel segeln wir vorbei an bis zu 1000 m hohen Felswänden und verirrten Eisbergen bis hin zum Port Circumcision auf Petermann Island. Dort können wir den beeindruckenden Irrgarten aus Eis und Inseln vom Kajak oder Schlauchboot aus erkunden.

Wir ankern an einem der schönsten Plätze der Antarktis mit Blick auf die Bergkette des Transantarktischen Gebirges. Dort besuchen wir Port Lockroy. Der Naturhafen des britischen Antarktisterritoriums beherbergt heute ein Museum und das einzige Postamt der Antarktis. Die Insel dient außerdem Eselspinguinen als Nistort. Diese bauen ihre Nester direkt auf die Wege oder legen ihre Eier auf die Fußmatte des Postbüros.
Am Jougla Point kann man ein nahezu vollständiges Walskelett besichtigen.

Tag 19 – 22: Antarctic Sound – Süd Shetland Inseln – Elephant Island

Auf dem Weg Richtung Norden können wir hoffentlich bei günstigen Verhältnissen unseren Bug für zwei Tage in den Antarctic Sound in Richtung Weddell Sea richten, um Hope Bay, Brown Bluff oder vielleicht sogar Paulet Island einen kurzen Besuch abzustatten und einen Blick auf das Schelfeis und die Allee der Giganten, die Eisberge in der Weddell Sea werfen. Diese Gegend war unter anderem der Schauplatz der Schwedischen Antarktisexpedition von Otto Nordenskjöld mit der Antarctic (1901 bis 1904).

Sollten die Eisverhältnisse dies nicht zulassen, bieten die Südlichen Shetland Inseln noch reichlich attraktive und interessante Ziele, beispielsweise Half Moon Island, King George Island, Turret Point oder Penguin Island – hier warten Vulkane, Pinguine, See-Elefanten und Robben darauf, entdeckt zu werden.

Schließlich werden wir Kurs auf einen anderen Schauplatz des heroischen Zeitalters nehmen: auf Elephant Island. Die nördlichste der Süd Shetland Inseln ist ein wesentlicher Schauplatz jener verhängnisvollen Polarexpedition Sir Ernest Shackletons, deren unglaubliche Geschichte und unfassbare Odyssee über 100 Jahre zurückliegt.

Die „Imperial Trans-Antarctic Expedition“, die nichts Geringeres als die Durchquerung des antarktischen Kontinents zum Ziel hatte, war jedoch bereits kurz nach ihrem Start in Südgeorgien im Dezember 1914 zum Scheitern verurteilt. Früh behinderte Treibeis in der Weddell Sea die Weiterfahrt Richtung Süden, bereits im Januar 1915 wurde das Schiff, die Endurance, komplett vom Eis eingeschlossen. Sie driftete mehrere Monate gefangen im Eis durch den Polarwinter, konnte jedoch dem Druck der im Frühling aufbrechenden und driftenden Eismassen nicht standhalten, wurde im Oktober 1915 aufgegeben und versank, vom Eis zerdrückt, am 21. November 1915 vor den Augen Shackletons und seiner Männer endgültig in der Tiefe. Nach Monaten in einem Camp auf dem aufgebrochenen, driftenden und schmelzenden Eis brach dieses am Ende des Sommers im April 2016 gänzlich unter ihren Füßen. Shackleton entschied, mit den drei bis dahin mitgeführten Rettungsbooten das nächstgelegene Land über freies Wasser anzusteuern. Nach fünf Tagen rudern durch die eisige und stürmische Weddell Sea erreichten die 28 Männer erschöpft Elephant Island und hatten nach 497 Tagen auf See und Meereis erstmals wieder festen Boden unter ihren Füßen.

Hier auf Elephant Island – am Cape Lookout, Cape Valentine und Point Wild – wollen wir, so die Verhältnisse uns eine Anlandung erlauben, die Spur eines der beeindruckendsten Männer der polaren Entdeckungsgeschichte und seiner Mannschaft aufnehmen.

Tag 23 – 27: Elephant Island – Scotia Sea – Südgeorgien

Elephant Island, jene winzige Insel – heute wie damals abseits jeglicher bekannter Schiffsrouten im Südpolarmeer liegend – karg, rau, bis auf einen schmalen Felsstreifen am Strand nahezu vollständig vergletschert und unbarmherzig Wind und Wetter ausgeliefert, bot der Mannschaft der Endurance keinerlei Schutz und Aussicht auf Rettung von außen. Und so beschloss Shackleton erneut aufzubrechen, um Hilfe zu holen. Mit fünf weiteren Männern, darunter Frank Worsley als Navigator, wollte er versuchen, mit einem der offenen Rettungsboote die über 800 Seemeilen entfernten besetzten Walfangstationen auf Südgeorgien zu erreichen. Ende April 1916 stachen sie mit der vom Schiffszimmermann für diese waghalsige Überfahrt verstärkten und umgebauten James Caird zu sechst in See, die übrigen 22 Männer blieben unter der Obhut von Frank Wild auf Elephant Island zurück und sollten dort noch weitere harte vier Monate bis zu ihrer Rettung, auf die sie damals kaum hoffen durften, ausharren müssen.

Von Elephant Island aus folgen wir Shackleton und der James Caird nach Südgeorgien, auf dieser 800 sm langen Ozeanpassage, erneut im Wachsystem.

Tag 28 – 34: Südgeorgien – Scotia Sea – Falkland Inseln

Shackleton und seine Crew brauchten 15 Tage für die gefährliche und raue Passage durch den sturmgepeitschten Südatlantik, bevor sie dank der Navigationskünste von Frank Worsley tatsächlich die Küste Südgeorgiens erreichten, wenn auch auf der „falschen“, der menschenleeren Südseite der Insel und mit nicht mehr seetauglichem Boot. In der King Haakon Bay gingen die erschöpften Männer an Land. Nach wenigen Tagen der Erholung blieb ihnen – wollten sie die eigene und die Rettung ihrer Kameraden nicht aufgeben – nichts anderes übrig, als den Versuch zu wagen, die Insel, größtenteils bestehend aus bis zu 3.000 m hohem vergletschertem Gebirge, in gänzlich unkartiertem Gelände auf einer nie zuvor begangenen Route und ohne jegliche adäquate Ausrüstung zu überqueren. Das riskante und waghalsige Unterfangen gelang, und wie durch ein Wunder erreichten sie nach 36 Stunden ununterbrochenem Marsch mit letzter Kraft am 20. Mai 1916 die Walfangstation in Stromness. Von dort aus gelang es Shackleton schlussendlich – nach drei vergeblichen Anläufen – Ende August 1916 alle verbliebenen Expeditionsteilnehmer von Elephant Island zu retten und wohlbehalten an Bord der Yelcho, einem Wachboot der chilenischen Marine aufzunehmen.

Wir werden die gesamte 40 Kilometer Shackleton-Traverse über das Zentralgebirge selbst nicht in Angriff nehmen können, wohl aber wollen wir auf Südgeorgien Shackletons Spuren und denen der alten Walfangstationen nachspüren.

Wir nehmen uns sieben Tage Zeit, die unzugänglichen Küsten und Buchten der geschützteren Nordostküste Südgeorgiens, die spektakulären Gletscher und die einzigartige Artenvielfalt dieser subantarktischen Insel zu entdecken. Wir erleben das quirlige Leben in den Kolonien der Robben, See-Elefanten und Pinguine – eine der bedeutendsten Kolonien von Königspinguinen bevölkert St. Andrews Bay. Hinter den bevölkerten Stränden, versteckt im hohen Tussock-Gras, brüten Sturmvögel und Albatrosse. Gold Harbour, Cooper Bay, Salisbury Plain, Prion Island sind weitere mögliche Ziele.

Bei guten Verhältnissen wandern wir den letzten Teil der Shackleton Traverse, die sogenannte Kleine Traverse oder Shackleton Walk genannt, von Fortuna Bay bis nach Stromness, bevor wir in Grytviken dem „Boss“, wie Shackleton liebe- und respektvoll von seiner Mannschaft genannt wurde, an seinem Grab die letzte Ehre erweisen.

Tag 35 – 42: Südgeorgien – Scotia See – Falkland Inseln

Wir verabschieden uns aus einem der letzten unberührten Naturreservate der Erde, um dann auf ein passendes Wetterfenster zu warten und zu unserer letzten großen Passage zu starten und begleitet von Sturmvögeln und Albatrossen zu den Falkland Inseln zu segeln.

Ziel und Schlusspunkt der Expedition ist Port Stanley. Nach unserer Ankunft, am Abend des vorletzten Tages, werden wir sicher – reich an Erlebnissen und einmaligen Erfahrungen – auf den Abschluss einer erfolgreichen, gelungenen und unvergleichlichen Expedition anstoßen und Abschied nehmen.

Ende der Expedition, Ausschiffung in Port Stanley/ Falkland Inseln.